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Kunterbuntes Sportlerleben von Bad Ischl bis Hawaii

Die Bad Ischlerin Christina Herbst kennen wir als Turnerin, Trainerin und Triathletin. Sie liebt ihre Heimat im Salzkammergut und ist eine vielseitige Allrounderin, die all ihre Sportarten mit einem großen Kampfgeist ausübt. Ihre große Leidenschaft gilt dem Mountainbiken und dem Crosstriathlon. Doch nicht nur ihre Freizeit ist vom Sport bestimmt, sie arbeitet als Fitnesstrainerin und hat damit ihr Hobby zum Beruf gemacht.

In unserem Interview erzählt uns Christina über ihre sportlichen Aktivitäten, ihr Engagement im Turnverein, die Besonderheiten des Crosstriathlons und natürlich über ihre berühmte bunte Haarpracht. 😉

Wir kennen dich als Turnerin, Trainerin und Triathletin, also als vielseitige Allrounderin. Wie waren die Anfänge deiner sportlichen Aktivitäten?
Aus jetziger Sicht habe ich mit dem „Sporteln“ erst vor 8 Jahren angefangen. Aus damaliger Sicht fand ich mich als Kind und Jugendliche schon sportlich. Ich habe vieles ausprobiert, war im Ballett (ganze 3 Monate), in der rhythmischen Sportgymnastik, dann beim Turnverein, dem ich heute noch treu bin. Nebenbei habe ich in der Schule auch Volleyball probiert. Aber abgesehen von ein Mal Volleyball und zwei Mal Turnen pro Woche war da nicht viel mit Sport. Als Erwachsene habe ich mich ab und zu auf mein Rad gesetzt, bin Tanzen gegangen, war bei der Faschingsgarde und habe Sport mit meinen beiden Schäferhunden gemacht (da stand ich am Platz und die durften rennen 😉 ) Aber das bisschen „Sport“, das ich machte, endete meistens mit Wettkämpfen (z.B. Staatsmeisterschaft mit meinem Schäferhund). Ich denke, den Kampfgeist habe ich schon immer in mir.

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Wie bist du zum Triathlon/Crosstriathlon gekommen?
Vor 8 Jahren hatte ich einen sehr sportlichen Freund, der mich zu Radausfahrten mitnahm und mir Tipps gab. Er bemerkte auch, dass ich ziemlich schnell lernte und gar nicht so schlecht war. Der Ehrgeiz in mir war geweckt und heimlich meldete ich mich bei meinem ersten MTB-Rennen an. Er begleitete mich die 16km (ich wollte das Ganze nach 8km schon beenden). Ich kam trotzdem ins Ziel, als 3. Dame gesamt und erste meiner AK. Wenn einem da der Ehrgeiz nicht packt, wann dann? Danach erfuhr ich zufällig von der Wolfgangseechallenge, die einen Monat später war. Damals noch Supersprint. Perfekt für mich: Vom Schwimmen keine Ahnung, 300m würde wohl gehen, mit dem Bike komme ich ja zurecht und laufen kann doch jeder. 😉 Damals saugte ich so richtig die Triathlon-Atmosphäre auf. Die Athleten, die die lange Strecke bewältigten, waren für mich Helden, darunter Carina Wasle, die sich da für Hawaii qualifizierte. Ich war infiziert. Hawaii, welch ein Traum!

Was fasziniert dich am Crosstriathlon?
Der Dreck 😉 Crosstriathlon ist doch etwas anspruchsvoller als normaler Triathlon. Am Bike sollte man schon etwas können. Es zählt nicht nur die Ausdauer, sondern auch die Technik und vor allem die Koordination. Ich mag es, wenn es technisch anspruchsvolle Strecken sind, da könnte ich jedes Mal jubeln (mache ich ja meistens auch). Auf Trails laufen ist mir auch weit lieber, als stur auf der Straße geradeaus. Es ist schwieriger den Rhythmus zu finden, aber gerade das macht es für mich faszinierend. Wenn ich dann noch richtig durch Schlamm fahren und laufen muss, dann lebe ich so richtig auf. 🙂
Davon abgesehen finde ich die Crosstriathlon-Familie entspannter als die „normale“ Triathlon-Gemeinde. Man kennt fast jeden und freut sich immer, wieder jemand aus seiner „Familie“ zu treffen. Man hilft sich gegenseitig. Das ist mein Empfinden.

Was ist für dich das Besondere an den XTERRA Bewerben und der Weltmeisterschaft auf Hawaii?
Xterra ist so etwas wie eine magische Hürde. Wenn man mit Crosstriathlon angefangen hat, will man unbedingt einen Xterra machen. Die Strecken sind noch gefinkelter, ausgefeilter und anspruchsvoller.
Hawaii ist eine andere Welt. Wenn man sich das erste Mal für Hawaii qualifiziert, ist das der Hammer. Es ist als stünde die Welt still. Dann hat man zwei Wochen Zeit um sich zu entscheiden, ob man fährt oder nicht. Zwei Wochen in denen du abwiegst, kann ich mir das leisten, bekomme ich Urlaub,… Und dann kommst du auf Hawaii in einer anderen Welt an, du triffst alte Bekannte aus der Xterra Familie. Du saugst den Aloha-Spirit auf und alles wird chilliger, langsamer und entspannter. Wenn ich an meine beiden Zieleinläufe dort denke, bin ich immer noch sehr emotional. Da ist jeder ein Held, jeder wird gefeiert. Ich kann das Gefühl gar nicht in Worte fassen!

Du engagierst dich im heimischen Turnverein, was genau machst du da?
Mit 16 Jahren begann ich die „Leistungsriege“ zu leiten. Seitdem trainiere ich diese Gruppe, fahre mit ihnen zu Wettkämpfen, Turnfesten, Ausbildungen, usw. Ich organisiere regionale Wettkämpfe, Auftritte oder andere Events im Verein. Ich bin für die Homepage und sonstige Medien zuständig. Mittlerweile trainiere ich 3 verschiedene Leistungsgruppen und eine Fit-Gruppe. Ich versuche auch, die Kinder und Jugendlichen für andere Sportarten zu motivieren, indem wir z.B. bei verschiedenen Läufen als Staffel mitmachen.

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Du bist auch noch selber aktive Turnerin. Welche Bedeutung hat das Turnen für dich?
Aktuell mache ich selber nur mehr selten bei Wettkämpfen mit. Das Turnen ist aber der Grundstein meiner sportlichen Laufbahn. Durch das Turnen findet mein Körper den Ausgleich. Inbegriffen ist dabei auch das Stabitraining, damit ich keine Probleme mit meinem Rücken habe. Kraft, Schnellkraft und Koordination werden bei den verschiedensten Turnübungen trainiert. Im Winter turne ich mehr, im Sommer (zur Triathlon-Saison hin) wird es immer weniger, da ich oft von langen Radausfahrten oder Bergläufen zu müde bin.

Wer dich kennt, kennt deine bunte Haarpracht. Was steckt da dahinter?
Ja, ich glaube mit meiner Naturhaarfarbe würde mich keiner mehr erkennen! 😉 Eigentlich steckt da ein Zufall dahinter. Vor 15 Jahren habe ich mit einem Rotton herum experimentiert, und da ich blonde Strähnen hatte, waren die dann knallrot. Das hat mir gefallen, und es wurde von Mal zu Mal intensiver. Dann hatte ich 13 Jahre meine knallroten Haare. Vor 2 Jahren habe ich wieder experimentiert und es wurde dann türkis daraus. Ich falle gerne auf und finde es lustig, wenn jemand schockiert ist. Vor allem mag ich es, wenn ich mich von der Norm abhebe.

Für welche deiner Sportarten, die du aktiv ausübst, schlägt dein Herz am meisten?
Eindeutig das Mountainbiken. Da muss ich singen und jubeln, wenn es einen tollen Trail bergab geht. Mittlerweile begeistert mich aber auch immer mehr der Traillauf. Hauptsache Offroad 🙂

Was waren deine persönlichen sportlichen Highlights, deine unvergesslichen Momente, an die du immerzu gerne zurück denkst?
Als ich beim Crosstriathlon Kollerschlag als erste Dame ins Ziel kam. Diesen Moment vergesse ich nie. Ich hatte Glück, alle namhaften Damen waren nicht am Start oder hatten an diesem Tag Probleme. Ich wusste nichts davon, habe mich nur ständig gewundert, warum das blöde Motorrad ständig vor meiner Nase mir die Luft verpestet. 😉 Als ich den Sprecher hörte, dass jetzt die erste Dame kommt, dachte ich, er hat sich vertan. An den Bildern sieht man meine Verwirrtheit und meine Überwältigung und Freude.

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Aber auch der Inferno Triathlon war für dich ein Bewerb mit großer Bedeutung…
Ja, der allerschönste Moment war, als ich die letzten 400m das Schilthorn hochlief bzw. kraxelte 😉 Seit meinem ersten Triathlon träumte ich vom Inferno… Deshalb habe ich den 22.8.2015 13 Stunden lang einfach genossen. Ich glaubte nicht, dass ich das Zeitlimit schaffen könnte. Aber ich schaffte es! Und die besagten letzten 400m über den Grat hin ins Ziel waren für mich an Emotionen fast nicht zu überbieten.

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Gibt es Orte, an denen du richtig abschalten kannst, wo du im Einklang mit dir selber und der Umgebung bist?
Draußen in der Natur… Ich genieße jeden Moment, wenn ich den Hausberg rauf laufe. Ich genieße die Zeit am Rennrad oder Bike. Ich bin draußen und die Welt gehört mir. Ich bin jedes Mal dankbar, dass ich da bin, wo ich bin, dass ich gesund bin, dass ich die Gegend habe, dass ich tolle Freunde habe. 🙂

Sport ist nicht nur dein Hobby, sondern auch dein Beruf. Wie sieht ein typischer Arbeits- und Trainingstag bei dir aus?
Ja, ich bin Trainerin und Sportlerin. Ein normaler Tag beginnt bei mir mit dem Frühstück, viel Frühstück. Dann gehe ich zur Arbeit und trainiere dort verschiedenste Personen. Manche wollen abnehmen, manche haben rehabilitative Ziele, andere wollen Kondition aufbauen. Ich halte Stunden wie Pilates, Spinning oder Rückenfit. Zu Mittag haue ich mich entweder aufs Rad oder in die Laufschuhe. Danach gibt es Mittagessen. Kurz die Ruhe genießen bevor ich bis 22 Uhr wieder in der Arbeit die Menschen motiviere. Allerdings kann ich während der Arbeitszeit nicht trainieren. Außer beim Spinning, da mache ich selber mit und gebe Vollgas. Die anderen Stunden sind für mich fast kein Training. Hier muss ich vor allem schauen, dass jeder die Übung richtig macht, also gehe ich oft auch nur durch.

Welche sportlichen Pläne stehen heuer auf deiner Liste?
Ein paar heimische Crosstriathlons werde ich wie jedes Jahr wieder machen. Einerseits die Wolfgangsee-Challenge, andererseits auch den Crosstriathlon Kollerschlag. Leider werden die Crosstri-Events in Österreich immer weniger. Ich habe mich auch schon für die ETU-EM in der Schweiz angemeldet. Eventuell steht auch die XTERRA-EM in Zittau am Plan, da das eine tolle Bike-Strecke ist, und der Gigathlon in der Schweiz, den ich aber zum Probieren als Couple mache. Vielleicht finde ich für Herbst noch einen schönen Bewerb, da ja Hawaii dieses Jahr aus Zeit- und Budgetgründen nicht geplant ist.

Gibt es einen Bewerb, an den du schon immer mal teilnehmen wolltest?
Bei meinem ersten Hawaii-Finish habe ich mir gedacht: „So, jetzt kannst du in Triathlon-Rente gehen, du hast alles geschafft, was du dir je erträumt hast.“ Aber es gibt noch so viele Bewerbe, die ich ausprobieren möchte. In Italien gibt es einen langen Crosstriathlon, den Gigathlon alleine starten und irgendwie ist doch auch der Ironman ein Traum.

Welchen Stellenwert hat der Sport in deiner Lebensgeschichte?
Ich kann nicht „Ohne“! Ich habe durch den Sport so eine Zufriedenheit in mir und ich lebe automatisch gesünder. Mit Freunden gehe ich an ruhigen Tagen gerne klettern oder wandern. Auch ohne Triathlon gibt es genug Möglichkeiten mich sportlich auszuleben. Aber trotzdem ist es wichtig, die Lockerheit, die Freiheit, die einem der Sport vermittelt auch weiter zu behalten. Für mich ist Sport Lebensfreude, Gesundheit, Wohlbefinden, Spaß, Gelassenheit, Lockerheit, Freude, Kampfgeist,.. alles in Einem! 🙂

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Fotos: Privat

About Tri Your Life

Tri Your Life
Tri Your Life ist das Herzensprojekt von Katharina Feuchtner und Christian Lehner aus Schleißheim bei Wels (Österreich). Wir sind zwei leidenschaftliche Hobbysportler und betreiben in unserer Freizeit diverse Ausdauersportarten und vor allem Triathlon. Wir teilen uns nicht nur unsere Wohnung und die Liebe zum Triathlon, sondern auch die Leidenschaft für das Schreiben und Fotografieren.

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