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Mit großen Schritten zum 30-jährigen Triathlon Jubiläum

Gerald Will kennt man in seiner Heimatstadt Wels als AHS-Lehrer für Geschichte und Sport, als selbständigen Sportcoach für Trainingsbetreuung im Ausdauersport, als Ehemann und Familienvater. Aber vor allem auch als leidenschaftlichen Triathleten. Doch er macht Triathlon nicht erst seit der Sport hier zu Lande boomt, nein Geri feiert nächstes Jahr sein 30-jähriges Triathlonjubiläum! Klingt unglaublich, aber als ich gerade mal zwei Jahr alt war, bestritt Geri seinen ersten Triathlon und er übt den Sport bis heute aktiv aus. Triathlon ist seine große Leidenschaft.

Wir führten bei ihm zuhause ein Gespräch über seine außergewöhnliche Lebensgeschichte, die große Verbundenheit zum Triathlon und seinen Trainings- und Familienalltag.

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Wann war dein erster Triathlon und wie hast du den Bewerb in Erinnerung behalten?
Meinen ersten Triathlon bestritt ich im Alter von 18 Jahren. Es war einer der ersten Triathlons, die überhaupt in Österreich stattgefunden haben und zwar in Wels, im Jahr 1986. Dabei wurden in Fischlham im Planasee 1,5 km geschwommen, dann in einer 40 km Schleife über Eberstalzell bis nach Wels geradelt und zum Abschluss 10 km entlang der Traun gelaufen. Damals waren wirklich die Pionierzeiten des Triathlonsports. Niemand wusste genau, wie wirkt sich das Radfahren auf’s Laufen aus, wie schwimmt man am besten, großteil wurde Brust geschwommen. Man wusste nicht, wie verhält man sich bei niedrigen Wassertemperaturen, es war ein richtiges Abenteuer.
Aber eines war schon damals gleich: es war genau so anstrengend wie jetzt.

Wie ging dein Weg mit dem Triathlon dann weiter?
Kurzfristig war ich mir nach meinem ersten Bewerb relativ sicher, dass ich mir das kein zweites Mal antun werde. Die Vorbereitung war relativ dürftig, keine Kombination von zwei Disziplinen, kein spezielles Schwimmtraining im See. Für mich war der erste Triathlon ein großes Abenteuer.
Längerfristig ist der Entschluss gereift, das Training für den Triathlon auf professionellere Beine zu stellen. Die Triathlonbewerbe haben sich damals von Jahr zu Jahr in Österreich vermehrt, es hat sich eine richtige Triathlonsszene entwickelt und in dieser war ich von Anfang an dabei.

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Wie hast du dich in den fast 30 Jahren Leistungssport entwickelt?
Nach dem Gymnasium begann ich das Sportstudium. Um mehr über Triathlontraining zu erfahren, gingen wir über den Winter nach Kalifornien. Wir haben dort den Anschluss an eine Trainingsgruppe gefunden und davon sehr profitiert. Nach der Heimkehr erfolgte für mich der richtige Einstieg in die Triathlonszene in Österreich. Ich war von Anfang an vorne dabei. Dadurch kamen auch bald die ersten internationalen Ambitionen. Es folgten in Linz die Europameisterschaft, 3 WM Teilnahmen und diverse Europacupstarts. Der größte Erfolg war der 9. Gesamtplatz im Europacup im Jahr 1992. Danach hat die Phase der Verletzungen begonnen. Der Traum von Olympia war greifbar nahe durch Olympia 2000, bei dem Triathlon das erste Mal olympisch war. Die Qualifikation ist sich damals verletzungsbedingt nicht ganz ausgegangen.

Danach habe ich den Entschluss gefasst, eine normale berufliche Laufbahn einzuschlagen. Mein Sport und Geschichtestudium hatte ich abgeschlossen. In den darauffolgenden Jahren gab es eine Pause vom aktiven Triathlonsport. Ich nahm meine Lehrertätigkeit wahr und war Trainer des oö. Triathlonkaders am Olympiastützpunkt in Linz. Doch auf einmal kam der Anreiz zurück und ich habe wieder mit MTB Rennen begonnen. Und genau in der Phase ist die Crosstriathlonszene entstanden und damit war mein weiterer Weg klar. Mittlerweile sind es für mich nun auch schon wieder über 10 Jahre im Crosstriathlon, dazwischen bestreite ich auch immer wieder den einen oder anderen Straßentriathlon.
Das Ausdauersporttreiben und der Triathlon ist für mich eine Lebenseinstellung, die aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken ist.

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Was war für dich dein größter sportlicher Erfolg, der dir immer besonders in Erinnerung bleiben wird?
Von der sportlichen Wertigkeit her waren dies sicher die vorderen Platzierungen im Europacup (2. Platz in Ungarn, 5. Platz in Italien) und der 9. Gesamtrang. In dieser Zeit war aber meine Verbissenheit noch sehr groß und ich konnte die Erfolge gar nicht richtig schätzen.

Der Erfolg, der mir am meisten Spaß gemacht hat und der für mich die größte persönliche Wertigkeit hat, war in der Phase des Crosstriathlons, wo ich im Jahr 2010 in Wels den Staatsmeistertitel holen konnte. Dies war von meinem Gefühl her viel schöner als in der ersten Triathlonphase, weil der Sieg mit Gelassenheit und Lockerheit passiert ist und deshalb war ich viel dankbarer darüber. Vor allem aber auch, weil der Bewerb in der Heimat stattfand, dort wo man seit jeher Sport betreibt, vor der Familie und den Freunden. Das war einfach ein ganz besonderes Erlebnis für mich.

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Womit kannst du dich nach fast 30 Jahren Leistunssport immer noch motivieren?
Der Punkt ist, dass Motivation im eigentlichen Sinn für mich nicht mehr notwendig ist. Das Sporttreiben im Ausdauersport ist im Alltag und in meiner ganzen Art zu leben so integriert, dass keine Motivation mehr nötig ist. Es ist eher anders herum, wie überbrückt man Zeiten, in denen man nicht Sport betreiben kann wegen Krankheiten oder Verletzungen.

Worüber kannst du dich im Sport immer noch so richtig ärgern?
Wie ich einmal bei einem Crosstriathlon in die Wechselzone kam und mein Sackerl mit den Laufschuhen vom Veranstalter mit Klebeband zugeklebt wurde… Als Triathlet trainiere ich nicht das schnellstmögliche Aufreißen von Plastiksackerl 😉

Wie siehst du dich selber in deinen Rollen als Lehrer und als Sportcoach? Was sind die interessanten Aspekte der beiden Berufe?
Als Lehrer ist das Schöne der Kontakt zu den Kindern. In der Schule ist immer was los, man hat kaum Gelegenheit zum Abschalten. Der Beruf ist sehr unruhig und fordernd mit sehr vielen Interaktionen. Meine Tätigkeit als Sportcoach ist für mich der Ruhepol, man betreut die Sportler, macht Leistungsdiagnostik, schreibt Trainigspläne. Bei der Betreuung steckt sehr viel Herzblut dahinter. Das Interessante daran ist der große Kontrast, die lebhafte und spannende Arbeit mit den Kindern und andererseits die besinnliche Arbeit mit den Athleten.

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Wie vereinst du Arbeit, Familie und dein Training?
Der Tagesablauf mus straff durchorganisiert sein. Sehr viel spielt sich für mich in den frühen Morgenstunden ab. Ein Training pro Tag findet immer vor dem Frühstück statt, danach kommt die Arbeit, am Nachmittag (eventuell) ein zweites Training und am späten Nachmittag bzw. Abend ist dann die Zeit mit der Familie. Das Wochenende wird so gut wie möglich für die Familie freigehalten. Die Famlilie steht voll und ganz hinter allem, ist sportbegeistert und auch bei den Bewerben immer dabei.

Wo siehst du dich in 5 Jahren?
Beruflich wird sich hoffentlich nichts ändern. Bei den eigenen sportlichen Tätigkeiten will ich mich nicht festlegen, dies ergibt sich aus meinem körperlichen Zustand und der familiären Situation. Aber Ausdauersport wird immer ein Thema sein. Mit der Wettkampftätigkeit wird es irgendwann aber ein Ende geben. Wann dies sein wird, hängt davon ab, wie lange ich meine eigene Leistungsfähigkeit als konkurrenzfähig sehe.

Welchen Stellenwert hat der Sport in deiner Lebensgeschichte?
Einen sehr großen und bestimmenden Stellenwert, aber nicht den höchsten, den hat natürlich die Familie. Ausdauersport und Triathlon betreiben sehe ich als meine Lebenseinstellung, die das Leben bereichert.

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About Tri Your Life

Tri Your Life
Tri Your Life ist das Herzensprojekt von Katharina Feuchtner und Christian Lehner aus Schleißheim bei Wels (Österreich). Wir sind zwei leidenschaftliche Hobbysportler und betreiben in unserer Freizeit diverse Ausdauersportarten und vor allem Triathlon. Wir teilen uns nicht nur unsere Wohnung und die Liebe zum Triathlon, sondern auch die Leidenschaft für das Schreiben und Fotografieren.

2 comments

  1. Kann nur sagen, wirklich tolles Interview…Gratulation Geri für soooooo viel Durchhaltevermögen!!!!

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