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Salzkammergut Trophy – von Goisern nach Maui

Nach meiner (für mich überraschenden) Qualifikation für die Xterra WM auf Maui, war mir nach unserer Rückkehr aus Malta schnell klar, dass das Mountainbiken über den Sommer eine wichtige Rolle spielen wird. Die Mountainbikestrecken der Xterra Bewerbe haben den Ruf technisch sehr anspruchsvoll zu sein. Das heißt für mich natürlich üben, üben, üben um auf meiner stärksten Disziplin möglichst gut vorbereitet auf Maui starten zu können.

Neben (den leider spärlichen) Crosstriathlons in Österreich bei denen ich zur Vorbereitung starten wollte, stand auch schnell ein Start bei der Salzkammergut Trophy auf meiner Wunschliste. Das wäre doch bestimmt das perfekte Training für Maui, so der Plan. 🙂

Auf Grund des hohen Schwierigkeitsgrades entschied ich mich für die Strecke D, die mit vielen Trails gespickt ist und für mich geradezu perfekt für meine Vorbereitungen erschien. Doch bei aller Vorfreude und meiner positiven Art rechnete ich mit sommerlichen Bedingungen. Doch es schüttete bei kühlen Temperaturen wie aus Eimern, sodass die schwierige Strecke noch herausfordernder wurde, als sie ohnehin schon war.

Die Strecke

Eine Streckenbesichtigung schaffte ich leider im Vorfeld aufgrund der vielen Bewerbe und Fotoeinsätze an den Wochenenden nicht. Ich kannte grob die meisten Anstiege von Mountainbiketouren und den Teil ab dem Rettenbachtal zur Hütteneckalm über die ewige Wand bis ins Ziel von meinem Start der Strecke E im Jahr 2013. Die schwierigen Trails bergab kannte ich nur vom Papier und von Erzählungen.

Es geht los

Pünktlich zum Start um 13 Uhr in Bad Ischl zog der letzte starke Regenschauer durch. Die Sonne kam hervor und ich freute mich auf das Rennen. Meine Eltern begleiteten mich zum Start und ich war (im Vergleich zu den Triathlons) sehr entspannt.

Die ersten Kilometer aus Ischl heraus waren eher flach und lustig zu fahren. Dann folgte die erste Trailpassage im Wald bergauf und vor mir stiegen schon alle ab zum Schieben. Ich ärgerte mich und verstand das gar nicht. Dann ging es auch gleich wieder bergab, der Matsch und Dreck begann und schon folgte die erste Schrecksekunde: eine Teilnehmerin vor mir stieg ab, ich konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen bzw. ausweichen und musste mich seitlich rechts in den Dreck fallen lassen. Ich landete aber sanft. Also schnell auf und weiter.

Bergauf, bergab

Dann folgte der erste längere Anstieg auf einer Forststraße. Auf ca. 5 Kilometer Länge ging es ca. 500 Höhenmeter bergauf. Die Steigung war sehr angenehm und ich fühlte mich gut. Oben angekommen folgte die erste längere Trailabfahrt. Genau genommen war es ein Wanderweg voller Wurzeln, Bäume, Steine, Schlamm und Wasser. Im trockenen Zustand vielleicht ganz lustig zu fahren. An diesem Tag für mich eine Katastrophe. Das Wasser stand am Weg, Schlamm und Matsch soweit das Auge reichte und darunter fiese rutschige Wurzeln und Steine, die man natürlich nicht sah. Ich stürzte. Mein Reifen rutschte im Matsch einfach weg und mein linkes Knie fing das ganze Gewicht ab. Ein kurzer Schmerz und weiter ging es. Nach diesem Schreckmoment absolvierte ich dann einige Passagen lieber zu Fuß.

Kurze Zeit später passierte mir genau das gleiche noch Mal. Der Boden war wie eine Seife, komplett glitschig, es gab kein Halten. Mein linkes Knie bekam nochmals alles ab. Ab diesem Zeitpunkt war ich verzweifelt. Ich fühlte mich hilflos, es war für mich einfach zu rutschig. Ich hatte Angst wieder zu stürzen, traute mir plötzlich Passagen, die ich sonst ohne mit der Wimper zu zucken fuhr, einfach nicht mehr zu und stieg ab. Ein komplett neues Gefühl für mich. Aber kein schönes. 🙁

Die 300 Höhenmeter bergab über diesen Horror-Matsch-Wanderweg zogen sich für mich ewig in die Länge. Unendlich froh erreichte ich das Tal und versuchte kurz mein Knie zu begutachten. Es blutete und ich hatte leichte Schmerzen. Naja so schlimm wird es schon nicht sein, dachte ich. Ein Teilnehmer borgte mir seine Wasserflasche und half mir die Wunde etwas vom Dreck zu reinigen. Dann ging es wieder weiter

Trails, Trails, Trails

Eigentlich hatte ich an dem Tag schon genug von den rutschigen Trails, doch nach dem nächsten längeren Anstieg folgte, wie ich aus der Karte wusste, auch schon der längste Trail hinunter ins Rettenbachtal. Mit gehörigem Respekt und einem mulmigen Gefühl ging ich es an. Gott sei Dank war der Weg weniger matschig und rutschig. Trotzdem musste ich einige Male absteigen, konnte jedoch einen weiteren Sturz verhindern. Den ausgesetzten schmalen Weg, wo es rechts mehrere hunderte Meter auf direktem Weg hinunter ins Rettenbachtal geht, absolvierte ich bedacht. Unendlich froh kam ich bei der Labestation nahe der Rettenbachmühle an, füllte meine Flaschen auf und wusch meine Wunden mit Wasser aus. Pflaster war mir dort zwar leider keines vergönnt, aber nun war ich wieder guter Dinge.

Die letzten Höhenmeter

Ich wusste, dass nun der schöne und letzte Anstieg durch das Rettenbachtal hinauf zum höchsten Punkt zur Hütteneckalm folgen würde, wo meine Eltern auf mich warteten. Mit positiver Energie versuchte ich beim Anstieg einfach noch mal ordentlich rein zu treten. Ich fühlte mich stark und überholte einen nach dem anderen.

Während ich noch nach mir bekannten Orientierungspunkten suchte, passierte ich schon die nächste  Labestation und gönnte mir einen Becher Cola. Ab jetzt waren es nur mehr wenige Höhenmeter bergauf. Doch meine Beine wurden schön langsam schwer und ich spürte leichte Krämpfe in den Oberschenkeln. Endlich erreichte ich den Wanderweg zum Hütteneck. Doch auch dieser war kaum wieder zu erkennen vor lauter Wasser und Matsch. Ich gab noch einmal alles, es wurde windig und begann leicht zu regnen. Endlich sah ich den erlösenden Gipfel und meine Eltern. Ich freute mich total, winkte ihnen lachend zu und wusste ab jetzt geht es nur noch bergab. 🙂

Dem Ziel entgegen

Ich genoss die Passagen auf den Forststraßen hinab sehr und auch die Trails waren technisch bei weitem nicht mehr so schwierig wie jene, die ich schon hinter mich gebracht hatte. Leider war ich ab dem Hütteneck mutterseelenalleine unterwegs. Durch den Tunnel der ewigen Wand, weiter auf den Trails bergab tauchten plötzlich die zwei lustigen Goiserer Jungs wieder auf, die ich beim letzten Anstieg zum Hütteneck überholt und kurz mit ihnen geplaudert hatte. Eine nette Abwechslung und große Motivation nun gemeinsam ins Ziel zu fahren. 🙂

Auf den flachen Asphalt- und Schotterstraßen von Laufen bis ins Ziel nach Goisern wollte ich noch mal alles geben und meine Stärke im flachen Gelände ausspielen. Die Goiserer Jungs machten aber keine Anstalten mir Windschatten zu geben, sondern hängten sich frech in meinen. 😉

Glücksgefühle im Ziel

Ungeachtet meiner leicht verkrampften Oberschenkel gab ich bis ins Ziel nochmal alles, meinen hart erkämpften Platz wollte ich nicht noch mal hergeben. 😉 Die Glücksgefühle bei der Einfahrt in den Goiserer Marktplatz waren riesengroß und ebenso die Erleichterung. Ich war froh diese Herausforderung gemeistert zu haben und stolz trotz meiner Stürze nicht aufgegeben sondern weiter gekämpft zu haben.

Wie ich dann am Telefon von Christian erfuhr, dass ich 8. Dame gesamt und 2. in meiner Altersklasse geworden bin, konnte ich es vor Freude fast nicht glauben. Und als Draufgabe gewann ich auch noch die Regionswertung bei den Damen.

Jetzt ein paar Tage später, bin ich mir sicher: ich komme wieder. 🙂 Vielleicht aber auf einer anderen Strecke. 😉

Weitere Informationen und Ergebnisse: http://trophy.at/

About Tri Your Life

Tri Your Life
Tri Your Life ist das Herzensprojekt von Katharina Feuchtner und Christian Lehner aus Schleißheim bei Wels (Österreich). Wir sind zwei leidenschaftliche Hobbysportler und betreiben in unserer Freizeit diverse Ausdauersportarten und vor allem Triathlon. Wir teilen uns nicht nur unsere Wohnung und die Liebe zum Triathlon, sondern auch die Leidenschaft für das Schreiben und Fotografieren.

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