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Wenn Ziele wieder aufleben

Ziemlich lange ist es schon wieder her, als ich meine letzten Triathlonbewerbe gefinisht habe. 2013 war es eine Mitteldistanz. Diese besagte Mitteldistanz war schon von akuten Knieschmerzen geprägt, die sich speziell in der Ruhephase durch ein unerträgliches Brennen bemerkbar machten. Knapp fünf Monate später folgte eine Knieoperation. Bei allem sportlichen Ehrgeiz trainierte ich sechs Wochen Post-OP wieder in gewohntem Trainingsmuster weiter und hatte das spätere Nachsehen mit einem Jahr kompletter Laufpause. 2016 dann ein Wiedereinstieg über einen Sprint am Faakersee.

Doch irgendwie war die Luft auf Grund sportlicher Perspektivlosigkeit und hohen Ansprüchen an mich selbst draußen. Was blieb ist der Schwimmreifen an meiner Hüfte, der maßlosen Völlerei in Kombination mit zu wenig Bewegung, geschuldet. Doch jetzt wird es Zeit,  Ziele zu definieren und meinen verwucherten sportlichen Weg wieder zu finden.

Christian Feuchtner Triathlon
Laufen war schon immer meine Leidenschaft.




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Was wäre wenn…

Was wäre gewesen, wenn…? Immer wieder taucht diese Frage in meinem Unterbewusstsein auf. Diese Frage begleitet mich unabhängig von Ort und Zeit. Wohin hätte mich damals mein Trainingsehrgeiz hingeführt, wo wäre ich jetzt in sportlicher Hinsicht? Vielleicht hätte ich meine Zielzeit über die Langdistanz erreicht, hätte vielleicht schon eine Langdistanz auf Hawaii hinter mir, hätte, hätte, hätte,…

Zu hohe Erwartungen gesteckt

Derweil wäre ich im Jahre 2016 eigentlich auf einen ganz guten Weg zurück gewesen. Mit ein bisschen Vorbereitung nahm ich damals am Faakersee beim Volkstriathlon teil. Eine Kombination zwischen Supersprint und Sprint, bei der auch der heimische Nachwuchs startete. Das Gefühl wieder ein aktiver Teil in der Triathlonszene zu sein erfüllte mich mit Erleichterung, wobei bei mir vor Rennen, immer eine große Anspannung vorherrscht. Doch inmitten der Jungen verflog die Anspannung dann doch recht rasch. Dann gab es einen Schlüsselmoment bei dem mich ein junger Athlet – so um die 15 Jahre – zum Schmunzeln brachte. Mit den Worten: „Grüß Gott, welche Schwimmzeit schwimmen Sie denn?“ wurde ich von ihm mit großen Augen neugierig begrüßt. Doch meine Schwimmzeit lag deutlich über der der Jugendlichen, die unter 60 Sekunden auf 100m benötigten.

Ich versuchte trotzdem mich nach dem Start irgendwo in einen Wasserschatten rein zuhängen, musste allerdings akzeptieren, dass ich so ein hohes Tempo einfach nicht schwimmen kann. Nach 150m war der Ofen aus und ich musste dem „Overpacen“ Tribut zollen. Nach etwa 350m schleppte ich mich Richtung T1. Ich dachte nur, damn,…die 10km in Hallstatt – über die ich bis dahin zwei Mal gestartet bin – waren nicht so hart wie diese verdammten 350m. Danach stieg ich auf mein verstaubtes Triathlonrad, aber ich konnte keinen Druck auf den Asphalt bringen und der Abstand zum Vordermann wurde immer größer bis die Ferne ihn verschluckte.

Wieder in der Wechselzone angekommen musste ich feststellen, dass sich jedes einzelne Staubkorn auf meinem Rad immer noch an der gleichen Stelle befand. Eher demotiviert lief ich die 5km anschließend ins Ziel. Ich freute mich zwar über mein Finish und trotzdem war ich über den 11. Gesamtrang inmitten der Jungen enttäuscht und fuhr seitdem keinen Meter mehr mit dem Triathlonrad. Damals stellte ich mir einfach zu hohe Erwartungen an mich selbst. Heute weiß ich, es war eine super Leistung. Denn ich hatte keine Knieschmerzen und hätte darauf aufbauen können.

Christian Feuchtner Schwimmen
Nach 10km Schwimmen, etwas Probleme mit dem Gleichgewicht. Allerdings sehr zufrieden mit Rang 19 und der Pace von 1:40min/100m

Wenn die Motivation kommt und geht

Ziele sind der Anker, die einen vorantreiben. Wenn diese ausbleiben, treibt man irgendwo in einem großen Ozean orientierungslos umher. Das Training ohne Ziele erweist sich dabei als Motivationskiller. Immer wieder diese Wellen, einmal befinde ich mich im Hoch, das andere Mal wieder am Tiefpunkt. Eine emotionale Achterbahn der Gefühle ist die einzige Regelmäßigkeit. Das Training – ohne sportliche Ziele – dem Untergang geweiht.

Vielleicht kennt ihr das Gefühl: wenn alles super läuft, dann denkt man nicht an Misserfolge. Man schwebt auf einer Wolke voller Glücksgefühle. Dann kommt der Moment einer längeren Verletzungspause. Wie ein Blitz aus dem heiteren Himmel trifft es deine Seele.  Alle sportlichen Vorhaben und Ziele verglühen, aber willst es nicht wahr haben, weil es bis dahin doch so gut gelaufen ist und vor allem hast du so viel Zeit ins Training investiert. Die Zeit vergeht, du lässt dich gehen und weißt, dass nun alles vorbei ist. Für was also noch trainieren?

So ähnlich würde ich meine Gedanken beschreiben, die mich speziell in den letzten beiden Jahren begleiteten. Ich hatte einfach keine Lust zu trainieren, weil die Form und das Ziel in ganz weiter Ferne gerückt sind. Ich würde es als mentales Loch beschreiben, wo du versuchst wieder hinaus zu kommen, aber du einfach nicht genügend Kraft besitzt dich alleine hinaus zu ziehen.

Neue Ziele braucht der Athlet

Wieder sind zwei Jahre vergangen. Meine Kniebeschwerden sind abgeklungen, obwohl ein Knorpelschaden ja nicht wirklich ausheilt. Das ist kein Knochen, den man wieder zusammenflickt. Hier braucht es Geduld, Ausdauer und vor allem Motivation für Alternativen im Training. Noch ohne konkrete Ziele vor Augen, stelle ich mir die Frage: bin ich wirklich die Person, die ich jetzt verkörpere? Zeit meines Lebens war ich sportlich aktiv. Okay, außer im leichtsinnigen jugendlichen Alter des Fortgehens. Aber sonst, kaum eine Woche ohne sportliches Treiben mit einem Ziel dahinter. Seit zwei Jahren und dem besagten Triathlon am Faakersee schrumpften meine Trainingseinheiten zusehends. Stell dir einen Hamster vor, den du auf die Hinterbeinchen stellst. Du siehst dünne Ärmchen und Beinchen und einen runden Bauch. So sehe ich mich aktuell, nur eben ohne Fell zum Kaschieren.

Christian Feuchtner Triathlon
Letzte Vorbereitungswettkämpfe für mein Highlight (MD Porec 2013). Leider schon mit Kniebeschwerden. Wollte ein Jahr der Vorbereitung nicht in den Wind setzen. Dadurch wurden die Beschädigungen des Knorpels jedoch massiver.

Neues altes Projekt – alte neue Motivation

Bevor ich mit Triathlon begann, war ich bei vielen Laufbewerben am Start. In den Jahren 2009 und 2010 trainierte ich ausschließlich für Triathlon und steckte mir ein Endziel in fünf Jahren eine Langdistanz zu finishen. Doch dieser Plan fand ein abruptes Ende im Jahr 2013 als ein fortgeschrittener Knorpelschaden im linken Knie diagnostiziert wurde. Für einen Sportler eine Hiobsbotschaft, aber bei Weitem nicht gleich ein Weltuntergang! Im ersten Augenblick vielleicht doch, aber in Wirklichkeit gibt es viel Schlimmeres im Leben. Dennoch ist keiner davor gefeiht in ein tiefes mentales Loch zu fallen, wenn man seinem geliebten Hobby nicht mehr nachgehen kann.

Nach einigen up´n downs und viel mehr Partys und Bier ist nun die Zeit gekommen ein altes Ziel wieder aufleben zu lassen. Nicht zuletzt hat mich ein Gespräch mit Gerald Will zur fortgeschrittenen Stunde dazu bewegt wieder daran festzuhalten. Ich erklärte, dass ich meine zeitlichen Ziele wohl kaum mehr erreichen könnte und er erwiderte: zeitliche Ziele? Im Laufe unserer Unterhaltung wurde mir immer mehr bewusst: ich mache aus dem Hier und Jetzt etwas daraus. Was vorher war, waren andere Voraussetzungen und dem brauche ich nicht nachtrauern. Viel mehr könnte ich stolz zurück blicken. Aber ich werde so wie früher, an mir akribisch arbeiten müssen, um die Ziele zu erreichen. Eben genau das weiter zu machen, was ich eigentlich immer schon verkörpert habe.

Christian Feuchtner Porec Triathlon
In exakt 4 Stunden – mit Bernadette Schusters Laufschuhe 😉 – über die Porec Triathlonstrecke geflogen (1,9/85/20).

Mein Projekt

Ich werde ab sofort mit einem dreijährigen Projekt starten, um mein persönliches Ziel im Triathlon zu erreichen. Drei Jahre deswegen, um das Knie genau zu beobachten und natürlich auch um meine Fitness wieder sanft in die Höhe zu bringen. Ob dieses Projekt eine gute Idee ist, weiß ich nicht. Aber es nicht zu versuchen, wäre aus mentaler Hinsicht für mich auch keine gute Idee. Diesen Schalter umzulegen, kann und muss auch jeder für sich selbst machen. Jeder Mensch ist im Stande etwas zu schaffen, egal in welchem aussichtslosen Moment er sich befindet. Es gibt so viele Beispiele, gerade bei uns Triathleten, die aus einem Tief in ihrem Leben durch Triathlon wieder zurück gefunden haben. Zeit also, das eingerostete Hamsterrad wieder zu bewegen.

Forsetzung folgt… 🙂

 




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About Christian Feuchtner

Christian Feuchtner
Christian ist 40 Jahre alt und als früherer Fußballer bereits seit über 10 Jahren im Ausdauersport aktiv. Über das Laufen hat er vor über 6 Jahren seine Leidenschaft für Triathlon entdeckt. Gemeinsam mit Kathi ist er in seiner Freizeit nicht nur sportlich aktiv, sondern er schreibt und fotografiert auch ebenso leidenschaftlich gerne.

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