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Heide Bitesnich: „Ich wollte keinen Marathon gehen.“

Heide Bitesnich ist in Obertrum wohnhaft und bereits seit zehn Jahren mit Triathlon verwurzelt. Der Trumer Triathlon, sowie die Dynamik des TrimerTriTeams waren damals ausschlaggebend für ihre Motivation für Triathlon. Beruflich ist sie als Lehrerin tätig und pflegt ein großes Interesse was Frauen im Sport betrifft. Der Ironman Austria 2021 war heuer für Heide Bitesnich die erste richtige Langdistanz. Ihr Training war zwar nicht strukturiert, aber dennoch konnte sie trotz Familie zehn Wochenstunden, ohne sehr viel unterordnen zu müssen, aufwenden. Doch der Rennverlauf verlief nicht ganz nach Wunsch. Ob es noch einmal eine Langdistanz für Heide Bitesnich geben wird, steht aktuell noch in den Sternen.



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Heide Bitesnich: „Ich wollte keinen Marathon gehen.“

Heide Bitesnich Ironman Austria

Wie lange hast du dich für den Ironman Austria 2021 vorbereitet und hattest du einen Plan, wie kann man sich deine Vorbereitungen vorstellen?

Ich habe mich ca. ein Jahr auf diesen Bewerb vorbereitet. Ohne (Trainings)Plan und sehr wenig strukturiert (leider). Als berufstätige Frau und Mutter von zwei Kindern schaffte ich es in diesem Jahr einfach nicht mich an einen starren Plan zu halten – und wollte diesem auch nicht alles unterordnen. Ich habe also nach Lust und Laune trainiert.
Schwimmen ist nicht meine Stärke und trainieren konnte man erst ab dem Frühling im See. Da bin ich dann relativ viel und auch immer wieder lange geschwommen um mir sicher zu sein, die Distanz auch zu schaffen.

Radfahren ist meine absolute Lieblingsdisziplin. Geradelt bin ich im Winter auf der Rolle mit Trainerroad und ab dem Frühling auch draußen. Häufig gemeinsam mit VereinskollegInnen und meinem Mann. Ich fahre auch Brevets (Langstreckenausfahrten). Hier hatte ich also keine Angst vor der Distanz.
Ich laufe zwar gerne, aber mein Bewegungsapparat und meine Hüfte vertragen es nicht so gut. Um Ausdauer zu trainieren, bin ich häufig um den Wallersee gelaufen (18 km) und natürlich stand der Lauftreff im Verein immer am Programm.

Das Gute daran keinen Trainingsplan zu haben ist, dass man sehr flexibel ist und ich so häufig mit Birgit (die einen Trainingsplan hatte) mittrainieren konnte. So machte das ganze viel mehr Spaß. Durchschnittlich trainierte ich 10 h pro Woche.

Was motiviert dich für Langdistanzen? Ist auch die Teilnahme bei einem IRONMAN (also der Markenname) für dich ein Motivationsfaktor?

Mich motiviert Dinge zu schaffen die nicht jede/r kann. Und mich motiviert zeigen zu können, dass man auch speziell als Frau nicht wie eine Spitzensportlerin aussehen muss um so etwas zu können. Ich sehe mich hier schon in einer Vorbildfunktion. Ja ich bin langsam aber mein Körper kann das leisten! Außerdem empfinde ich es als Privileg, dass ich körperlich, finanziell, zeitlich überhaupt so etwas machen kann.

Die Marke Ironman spielte keine Rolle – ich sehe diese eher kritisch. Warum habe ich mich trotzdem dort angemeldet? Weil es im Normalfall die größte Triathlonveranstaltung Österreichs ist und auch im hinteren Leistungssegment noch Menschen sind. So konnte ich davon ausgehen nicht allein auf der Strecke zu sein.

War es deine erste Langdistanz?

Das war meine erste richtige Langdistanz. Ich habe aber drei Wochen vor Klagenfurt mit meinem Mann einen doppelte Langdistanz als Teamstaffel in Bad Radkersburg gefinisht. Wir teilten uns die Distanzen auf und so machte jeder von uns eine Langdistanz mit Pausen. Das war extrem schön und lustig aber natürlich auch eine eigene Herausforderung.

Wie hast du den Ironman für dich erlebt?

Tja, wie habe ich ihn erlebt? Erst einmal als sehr gut organisiert und mit sehr netten und kompetenten Volunteers. Der Bewerb selber war in meiner Leistungsklasse eher unspektakulär. Der Rolling Start war angenehm, es gab keine Schläge oder ähnliches. Ich benötigte 1:38 h fürs Schwimmen und das war genau das was ich vorhergesagt hatte. Damit bin ich zufrieden. Aber wenn man so langsam schwimmt kommt man halt sehr weit hinten im Feld heraus. Und das war in diesem Jahr ein Riesennachteil! Denn durch die wenigen StarterInnen fuhr ich die 180 km quasi alleine. Teilweise sah ich wirklich niemanden. Es war fast gespenstisch. Keine Autos, keine Radfahrer nur Streckenposten. Auch an der Strecke war, speziell auf der zweiten Hälfte, fast gar nichts los. Das machte mich jetzt nicht unbedingt schneller. Trotzdem bin ich mit meinen 7h 19 min zufrieden.

Dann kam das Laufen. Ich habe immer gesagt, wenn ich bis zum Laufen komme, dann komme ich auch ins Ziel. Leider kam es anders. Ich konnte von Anfang an nicht laufen. Einerseits muckte mein Kreislauf auf (mir war schwindlig), aber das kenne ich und ich weiß, dass das wieder vergeht wenn ich mich etwas hinsetze und in Ruhe etwas trinke. Auch Koffein hilft mir hier sehr gut. Andererseits bekam ich sobald ich versuchte zu laufen keine Luft mehr. Mein Brustkorb machte dicht. Und das kannte ich noch nicht. Ich versuchte 12 km lang das Problem gehend in den Griff zu bekommen. Ich setzte mich hin, aß etwas, trank etwas, legte mich sogar kurz auf eine Bank, atmete bewusst ein und aus. Aber nichts half. Deshalb beschloss ich aufzuhören. Ich wollte keinen Marathon gehen und ich wollte meine Gesundheit nicht riskieren.

Welche Gefühle, Gedanken hattest an den Tagen zuvor bzw. am Tag X?

Ehrlich gesagt war ich wegen Corona sehr lange nicht sicher ob der Bewerb überhaupt stattfinden wird. Und als der Termin dann näher rückte freute ich mich zwar darauf, war aber auch froh dass es endlich soweit ist. Diese lange Vorbereitung und das „hinpassen“ auf so ein Event liegt mir nicht so richtig. Ich wollte auch wieder etwas anderes in mein Leben lassen können. Am Tag davor und auch am Tag X war ich ziemlich nervös und aufgeregt. Das legte sich aber sobald ich im Wasser war.

Gehören Langdistanzen bzw. das Ziel dafür zu trainieren zu einer Art Lebensphilosophie?

Eigentlich nicht. Ich trainiere gerne und ich mache gerne lange Sachen. Doch ich mag mich nicht an ein einziges Ziel ketten. Ich bin gerne fit und gesund – das ist das Hauptziel. Wenn man damit auch eine Langdistanz finishen kann ist das ein netter „Sideeffekt“.

Wie geht es jetzt weiter?

Erst einmal wird regeneriert und ich werde versuchen meine Lunge wieder in Ordnung zu bekommen. Außerdem muss ich feststellen woher dieses Problem gekommen ist. Dann werde ich mich wohl wieder ins Training schmeißen. Aber das Hauptaugenmerk liegt sicher wieder beim Radfahren. Ich möchte nächstes Jahr gerne Uppsala-Trondheim-Uppsala fahren. Ein 1400km langes Brevet das Ende Juli 2022 stattfinden soll. Ob ich noch einmal bei einem Ironman starte, steht in den Sternen.

Heide Bitesnich Rennrad
Foto: Sportograf




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