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Anna Berghamer – „Ich bin mir wichtiger geworden.“

Im ersten Teil unseres Interviews erzählte uns Anna Berghamer über ihre Tiefphase und wie sie sich ihre Lebensqualität mit ihrer positiven Einstellung zurück erobert hat. Demnach kennt Anna Berghamer beide Seiten: zum einen die als schlanke, sportliche und zum anderen jene als übergewichtige Frau. Ihre Wahrnehmung im sozialen Umfeld und in der Öffentlichkeit ist demnach unterschiedlich: unangenehme Blicke während einer Mahlzeit als übergewichtige und als schlanke Person ist sie mit Fragen wie: „Das Essen schaut aber komisch aus und warum machst du so viel Sport?“ konfrontiert. Irgendwie kann man es niemanden recht machen und dennoch bleibt sie sich treu und geht ihren Weg.




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Anna Berghamer

Kannst du uns beschreiben, wie dich dein soziales Umfeld wahrgenommen hat bzw. nimmt?

Ich weiß gar nicht, wie oft ich mir anhören das anhöre musste: „a bissal weniger essen und a weng mehr Bewegung dann wird des scho.“ Dass aber viel mehr dahinter steckt, das kapieren viele nicht. Vor allem konnte ich mir das teilweise von Leuten anhören die sich selbst mal bei der Nase nehmen sollten.

Andererseits konnte ich mir auch oft anhören – und das heute noch – „des is doch viel zu gesund was du da isst und gibt’s bei dir überhaupt noch was anderes als Sport?“
Teilweise werden beide Seiten nicht verstanden und als negativ ausgelegt. Man sei egoistisch, weil immer nur Sport im Vordergrund steht und andere Dinge nicht so wichtig sind. Man sei komisch, weil man so viel Wert auf Dinge legt, die anderen nicht wichtig sind.

…und wie sind deine Erfahrungen in der Öffentlichkeit?

Als stark übergewichtige Person bekommt man irgendwie immer diese Blicke, wenn man in der Öffentlichkeit etwas isst. Das ist mir extrem aufgefallen oder man bildet sich das Ganze auch nur ein. Isst du als Übergewichtige in der Öffentlichkeit ziehst du sehr viele Blicke auf dich. Blicke die sagen „…klar die „Fette“ isst schon wieder“ oder „kein Wunder das er/sie so viel Gewicht hat“, auch wenn keiner weiß, dass du gerade deine erste Mahlzeit um 15 Uhr isst.

Isst du als schlanke Person in der Öffentlichkeit interessiert das niemanden. Es wird nicht wahrgenommen. Es fällt nicht auf und ist OK, „die kann sich das figurentechnisch leisten“ heißt es dann usw. oder es wird einfach nicht darüber nachgedacht, dass jemand etwas ganz Normales, Alltägliches tut: denn jeder muss essen!

Hast du dich dadurch irgendwie verändert?

Ich muss ehrlich gestehen, ich habe mich verändert. Ich bin mir sehr viel wichtiger geworden, vielleicht auch etwas egoistischer. Meine Prioritäten haben sich enorm verändert: zuerst komme ich, mein Sport und dann erst der Rest.
Aber eigentlich hab ich mir das alles nicht ausgesucht. Ich habe gelernt damit zu Leben und ich liebe es aktiv und sportlich zu sein – ein Tag ohne Sport, da fehlt für mich einfach etwas.
Ich beurteile und verurteile auch niemanden, weil er sich ungesund ernährt und keinen Sport macht.

Anna Berghamer

Ist Sport deine Sucht geworden ;-)?

Ja, Sport ist definitiv (m)eine Sucht. Ich werde unrund, wenn ich keinen Sport machen kann, fühl mich nicht ausgeglichen, müde und träge, ich merke es an der Verdauung und fühl mich nicht wohl in meiner Haut.

Anna Berghamer

Was ist dir wichtig: Teilnahmen an Wettkämpfe oder schlicht die Freude an der Bewegung?

Wettkämpfe sind mir eigentlich nicht wichtig. Ich trainiere nicht für bestimmte Wettkämpfe, sondern weil ich es liebe Sport zu machen. Zugegeben, wenn ich wo mitlaufe, dann bin ich schon ehrgeizig. Am liebsten mach ich Sport jedoch einfach für mich. Ich liebe es mich auszupowern, selbst wenn ein Tag noch so grau und negativ war. Nach dem Sport ist meine Welt so gut wie immer wieder in Ordnung!

Ansonsten laufe ich einfach los und schau was heute geht. Ich entwickle meine Ziele erst während des Laufs, eine bestimme km Anzahl zu erreichen oder eine bestimmte Pace zu halten. Ich laufe meist ohne bestimmten Ehrgeiz los. Dieser kommt dann meist während des Laufens :).

Was motiviert dich noch?

Was für mich sehr schön ist, wenn ich andere durch meine Geschichte motivieren kann und sie beeindruckt sind, was ich erreicht habe. Das ist mir oft gar nicht mehr bewusst. Doch das bedeutet mir sehr viel, dass ich in jemanden so etwas auslösen kann, Sport zu machen, etwas durch zuziehen, seine Ernährung zu ändern oder jemand wegen mir mit dem Laufen beginnt. So etwas wird aber leider viel zu selten gesagt. Nicht zu oder wegen mir. Sondern ganz allgemein finde ich. Man sollte den Menschen in seinem Umfeld viel öfter sagen, was man an ihnen toll findet, was beeindruckt und was jemand gut gemacht hat. Ich selber kann eigentlich eher schlecht mit Komplimenten umgehen und spiele meine Erfolge immer herunter.

Anna Berghamer

Welche Rolle spielt Social Media in deinem Leben, betreffend deiner Aktivitäten?

Anfangs war es ein sehr wichtiger Part für mich, meine Trainings und Erfolge mit anderen zu teilen. Man schlittert da irgendwie so hinein und mittlerweile ist das alles einfach schon so zur Gewohnheit geworden, wobei das früher in der aktiven Abnehmphase schon sehr viel mehr und viel wichtiger war. Es hat mich vor allem damals bestärkt weiter zu machen und nicht aufzugeben. Heute möchte ich andere motivieren und vielleicht den einen oder anderen helfen etwas zu ändern. Denn ich denk mir, wenn ich das kann, dann kann das jeder andere auch! Ansonsten ist mir wichtig, dass ich in sportlicher Hinsicht unabhängig und auf keinen angewiesen bin, das heißt auch sich manchmal zu überwinden und mutig zu sein.




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About Tri Your Life

Tri Your Life
Tri Your Life ist das Herzensprojekt von Katharina und Christian Feuchtner aus Schleißheim bei Wels (Österreich). Wir sind zwei leidenschaftliche Hobbysportler und betreiben in unserer Freizeit diverse Ausdauersportarten und vor allem Triathlon. Wir teilen nicht nur die Liebe zum Sport, sondern auch die Leidenschaft für das Schreiben und Fotografieren.

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