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Krise und innere Freiheit

Der Gastbeitrag von Michael Neuwirth behandelt in der aktuellen Corona Krise die innere Freiheit. Die innere Freiheit kann uns trotz gewissen Freiheitsbeschränkungen keiner nehmen. Die eigene Werte, Gedanken und Einstellungen sind essentielle Begleiter für die Bewältigung der aktuellen Situation.




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Krise und innere Freiheit

Wenn so wie dieser Tage der Maßnahmenkatalog gegen den kursierenden Corona Virus massive Freiheitsbeschränkungen nach sich zieht, fühlen sich die allermeisten Menschen schon nach kürzester Zeit eingesperrt und müssen von unterschiedlichen Instanzen vom ersten Tag an zum Durchhalten ermuntert werden. Was macht uns hier so zu schaffen?
Es wird nur zu gerne darauf vergessen oder sich zu wenig die Mühe gemacht auch von der eigenen „inneren Freiheit“ Gebrauch zu machen. Diese „innere Freiheit“ ist immer dann gefragt, wenn sehr ungünstige äußere Umstände vorliegen und uns sämtliche Spielräume entzogen werden.

Existenzhäppchen

An dieser Stelle drängt sich der Bezug zum berühmten österreichischen Psychiater Victor Frankl auf. Frankl war Jude und arbeitete als Psychiater und Neurologe in Wien, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges bekam er die Möglichkeit in die USA zu immigrieren. Diese lehnte er ab, weil er seine Eltern im besetzten Wien hätte zurücklassen müssen. Die gesamte Familie wurde schließlich 1942 nach Ausschwitz deportiert. Frankl überlebte dort leider als einziger seiner Familie, er beobachtete dort wie sich menschliches Verhalten in Extremsituationen auswirkte, vor allem dort entwickelte er seine Thesen zur Sinnfindung und menschlichen Existenz. Frankl beschreibt, dass er die zermürbende und qualvolle Zeit im KZ nur hat überleben können indem er sich selbst vorstellte, wie es sein würde, wenn er nach der Internierung Vorträge über die innere und letzte Freiheit der menschlichen Psyche in Extremsituationen halten würde. Er schaffte es sich selbst einen Grund zu geben weiterzumachen und sein Schicksal weiter zu ertragen. Diese grauenhafte Zeit trotzdem mit Sinn zu füllen, indem er für sich feststellte, dass ihm niemand seine Werte, seine Gedanken, seine Einstellungen sprich seine innere Freiheit nehmen konnte.

Trotzdem ja zum Leben sagen

In dieser Situation ist es ein unschätzbarer Gewinn in sich diese innere Freiheit zu spüren. Frankl schreibt hier: “Die letzte aller menschlichen Freiheiten, die man dem Menschen auch nicht unter den extremsten Bedingungen nehmen kann, ist die innere Freiheit, jene Freiheit, sich zu den gegebenen Verhältnissen so oder so einzustellen.“
Ich glaube auch wir sind jetzt gefragt eine innere Einstellung zu den vorherrschenden äußeren Umständen (Bewegungs- und Freiheitseinschränkungen, wirtschaftliche Einbußen…..) zu entwickeln. Der Volksmund sagt hier oft vorschnell: „Da bleibt mir e nix anderes über…..erinnern wir uns an letzten Teil von Frankls Zitat: Der Mensch kann sich so oder so dazu einstellen, indem man bewusst einen Weg wählt. In dem Maße entscheidet man wer man ist bzw. sein will.

Wer sich hier vertiefen will, dem sei Frankls berühmtes Buch: Trotzdem ja zum Leben sagen…. empfohlen. Es gehört seit Erscheinen zu den 10 einflussreichsten Büchern in den USA.

Michael Neuwirth

Michael Neuwirth ist selbstständiger Psychotherapeut und arbeitet in seinen Praxen in Linz und Marchtrenk. Mehr Informationen zu Michael Neuwirth findet ihr hier.




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